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Kirchen Geschichte

Kirchenslawische Liturgica

Herkunft:                            Dr. Herman A. Kremer (Haltern)
Verwendungszweck:       Ausstellung Museum Alexandrowka
Vorbesitz:                            Direkter Vorbesitz unbekannt (vgl. jedoch Anmerkungen zu Buch 3 und 4 unten)

 

Generelle Einschätzung:

  • Es handelt sich um Werke aus dem Ende des 18. Jahrhunderts / Unmittelbarer Beginn des 19. Jahrhundert. Dafür spricht die exakte Datierung von Buch 2 auf das Jahr 1804 und von Buch 3 auf das Jahr 1810. Illustration, Handschrift, Einband etc. sind bei allen vier Büchern gleich, sodass als Entstehungszeit das erste Dezennium des 19. Jahrhunderts angenommen werden kann.
  • Es handelt sich um Kirchenslawisch (,, Russisch-Altkirchenslawisch‘‘)
  • Es handelt sich um Liturgica mit Noten bzw. Notationen, sog. ,,Hakenbücher‘‘

 

Im Einzelnen:

Buch 1 (Messbuch):
Ein Messbuch, möglicherweise eine Sammelhandschrift mit Notionen sowie verschiedenen Stimmen und Zahlzeichen.

Titelblatt: “ Tag der Geburt unserer Allerheiligsten Herrscherin, Gottesgebärerin und Jungfrau Maria“

Kopfzeilen:

  • Feiertag der Geburt der Gottesgebärerin
  • Feiertag zur Kreuzerhöhung
  • Gesänge Vorstellung Mariae im Tempel
  • Nachfolge, Werk des Sophronios, Patriarch von Jerusalem
  • Mariae Reinigung
  • (Metamorphosis) Verklärung Christi
  • Entschlafung Mariens
  • 23.März 1910


Buch 2 (,,Gesänge für Feiertage‘‘):


Lobgesangbuch. Titel auf dem Rücken: ‘‘Gesänge für Feiertage‘‘.

Auf dem Titelblatt Hinweis auf ein Kloster Sankt Lorenz „Das Buch, was heißt ,,Feiertage‘‘ des Laurentius Klosters, des lnak (Mönch) Serapion. Geschrieben im Jahr 7312“ (1804).

Auf der Rückseite des Titelblatts (russisch): ,,Dieses Buch, welches heißt ‚Prazdniki (Feiertage) beginnt  8. September, der Geburt der allerheiligsten Gottesmutter‘‘.

Außerdem reichhaltige, ganzseitige Illustrationen (in exakt dieser Reihenfolge (sic!)) mit den Themen (jeweils auf einem Blatt recto und verso):

  • Johannes Damascenus
  • Geburt Mariens mit Überschrift: Geburt der Allerheiligsten Gottesmutter‘‘
  • Beschneidung
  • Darbringung vor Simeon?
  • Jesus unter den Schriftgelehrten
  • Geburt Jesu und Anbetung der drei Könige
  • Erzengel Michael
  • Verkündigung
  • Johannes Täufer („Prodromos“)
  • Taufe Jesu im Jordan und Herabsendung des Heiligen Geistes
  • Erweckung des Lazarus
  • Einzug in Jerusalem unseres Herrn Jesus Christus
  • ???
  • Himmelfahrt Jesu Christi
  • Dreieinigkeit / Abraham und Sarah / Engelmahl
  • Pfingsten: Maria und die Jünger / Niederkunft des Heiligen Geistes
  • Christus als Pantokrator und zwei Heilige: Petros Athonitos und Onofrius
  • Metamorphosis / Verklärung unseres Herrn Jesu Christus: Jesus und die Propheten Elias und Moses
  • Himmelfahrt Mariens
  • Entschlafung der Allerheiligsten Gottmutter


Buch 3 (,,Zöllner und Pharisäer‘‘):

Sammelband
Titelblatt: ,, Buch … genannt über den Zöllner und Pharisäer‘‘

Handschriftlicher Eintrag (vorn): ,,Dieses Buch über den Zöllner und Pharisäer wurde in 16. Abteilung der Russischen Streitkräfte in Deutschland am Tage der Kapitulation Deutschlands am 10. Mai 1945 durchgesehen.‘‘

Handschriftlicher Eintrag (hinten): ,,Dieses Buch, genannt Triiod gehört dem erblichen Ehrenbürger Vasilij Faddeevic Bogovskij und wurde von dessen Vater, dem Kaufmann der ersten Gilde in Pskow, Fadej Alexeevic Bogovskij in der Stadt Riga ungefähr im Jahr 1872 gekauft. Diese Notiz wurde angefertigt in dem Ort Zabory, Bezirk Porhow, am 10 Juni 1910

 

Zwei weitere Notizen auf anderem Papier:

  • Dieser Kanon wurde geschrieben KKMB am 27. September 1810
  • 1810 20.September

Anm.: Triiod = Triodium – Messkanon Ostern bis Pfingsten

 

Buch 4 (Johannes Damascenus):

Titelblatt: Ein Buch des ehrwürdigen Kirchenvaters Johannes Damascenus

Kopfzeilen: Oktennien (Kirchengesänge)
Handschriftlicher Notiz vor dem Titelblatt: Unleserlich

Handschriftlicher Eintrag (hinten): Diese Buch, genannt Oktai gehört dem erblichen Ehrenbürger Vasiliji Faddeevic Bogovskij und wurde von dessen Vater, dem Kaufmann der ersten Gilde in Pskow, Fadej Aleeevic Bogovskij in der Stadt Riga ungefähr im Jahr 1872 gekauft. Diese Notiz wurde angefertigt in Ort Zabory, Bezirk Porchow, am 10. Juni 1910

Anm.: Oktai = Achtstimmiges Chorbuch

Dank für Entzifferung und Hilfe an:

          Dr. Gottfried Kratz und Dr. Bernhard Symanzik

N.B.: Insbesondere Dr. Kratz hat große Hilfe bei Datierung und Translitteration geleistet.

N.B.: Dr. Kratz hatte sich im Vorfeld an die bekannten Erforscher russischer Kirchenmusik in Glasgow gewandt,  das Ehepaar Dr. Stuart Campbell und Frau Dr. Svetlana Zvereva. Frau Zvereva hat angeboten, falls ein Gesamtscan vorliegt, diesen im Bedarfsfalle zur Begutachtung an zwei Forscher in Petersburg ( Russische Nationalbibliothek) weiterzuleiten. Auch wies sie darauf hin, dass es abzuprüfen sei, ob der Text, uns im Juli 2014 als ,,Handschrift-3‘‘ im Scan  einer Doppelseite vorlag (linke Seite bildliche Darstellung Christi Himmelfahrt), ein Text aus dem Kreis der sogenannten ,,Altgläubigen‘‘ sei.
Für diesen Text ,,Buch 3‘‘ hat Frau Zvereva als vorläufigen Katalogeintrag genannt: Стихирарь праздничный крюковой. Mit dem Zusatz: нотация – знаменная пометная. Bei Bedarf kann unter Hinweis auf Dr. Kratz das Ehepaar Campbeil-Zvereva angeschrieben werden und rückgefragt oder um Weitervermittlung gebeten werden.
Elektronische Anschrift: Stuart and Sevtlana Campbell
sgzvereva @ gmail.com

 

Abschließende Einschätzung:

Die Bücher sind allesamt von hohem Interesse für die Forschung und die Öffentlichkeit und werden das Museum bereichern. Insbesondere Buch 2 ,,Prazdnik (Feiertage)‘‘ ist aufgrund seiner reichen und gehaltvollen Illustration hervorzuheben. Auch gibt dieses Buch besonders gut Aufschlüsse über die orthodoxe Liturgie. Dieses sog. Sticherarion (russisch Stichirar oder Prazdnik) enthält die Stichera oder Troparien und Kontakien für die Christus- und Gottesmutter. Es bietet somit, ebenso wie die anderen Werke, wertvolle Hinweise für die Liturgieforschung, die Hymnologie wie die Kunstgeschichte  im orthodoxen Kulturkreis. Dass es außerdem auch optisch eine Augenweide darstellt, sei nur am Rande vermerkt.

Autor: Reinhard Feldmann
Leiter  des Dezernats Historische Bestände

Webseite Handschriften:                        http://www.ulb.uni-muenster.de/sammlungen/handschriften
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Webseite Forum-Bestandserhaltung:   http://www.forum-bestandserhaltung.de

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